Panasonic Leica 2.8-4 8-18mm im praktischen Einsatz

Leichtes Ultraweitwinkel für Micro Four Thirds: Panasonic Leica 2.8-4 8-18mm

Zunächst vorab: Ich werde weder von Panasonic noch von einem sonstigen Hersteller finanziell oder in anderer Hinsicht unterstützt oder bekomme Equipment zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Ich beschreibe hier den praktischen Umgang des Panasonic Leica 2.8-4 8-18mm in meinem Fotoalltag und werde hier keine messtechnischen Charts liefern.

Leica und Panasonic stellen in Kooperation verschiedene Systeme für das Micro Four Thirds System her. Da ich sehr gerne einen Weitwinkel zur Bildgestaltung nutze, durfte eine kleinbildäquivalente Brennweite von 16mm nicht fehlen. In Frage kamen für mich das Olympus Pro 7-14mm 2.8 und eben das Panasonic Leica 2.8-4 8-18. Das Olympus 7-14 ist ohne Frage ein geniales Objektiv. Es ist wie alle Objektive der Pro Serie Staub- und Spritzwassergeschützt und liefert eine tadellose Bildqualität. Durch die stark nach aussen gewölbte Frontlinse ist es für die Nutzung meines HAIDA Filtersystems jedoch nötig, einen zusätzlichen Adapter zu verwenden, denn bauartbedingt ist kein direktes Aufschrauben eines Filters oder des Filterhalters nötig, da es keine Filtergewinde gibt. Zudem treten bei der Nutzung von zwei Filtern bei 7mm Vignettierungen in den Ecken auf.
Aus diesem Grund habe ich mir das Panasonic Leica 2.8-4 8-18mm näher angesehen. Ich konnte bei der Bildqqualität für mich persönlich keine praxisrelevanten Unterschiede erkennen. Für mich haben dann die unkompliziertere Filternutzung und das deutlich geringere Gewicht den Ausschlag zugunsten des Panasonic gegeben.

DG Vario-Elmarit 1:2.8-4 / 8-18 mm ASPH

Die Fakten:

  • Gewicht: 315 g
  • Länge: 88 mm (ohne Sonnenblende)
  • Durchmesser: 73 mm
  • Filterdurchmesser: 67mm
  • 15 Elemente in 10 Gruppen
  • Blenden aus 7 Lamellen
  • Minimale Aufnahmeentfernung: 0,23 m
  • Maximaler Abbildungsmaßstab: 1:8,3
  • Wasser- und Staubdicht
  • Innenfokussiert

Das Objektiv verfügt über eine sehr geringe Naheinstellgrenze von 23cm (bei 8 mm Brennweite). So entstehen Fotos mit ungewöhnlicher Perspektive. Der Zoomring, der Fokusring und Filteraufnahme sind aus Metall gefertigt, ebenso natürlich das Bajonett. Die gesamte Konstruktion wirkt dadurch sehr solide und auch haptisch weiss das Objektiv zu überzeugen. Der Zoomring und der Fokusring laufen butterweich. Der Fokusring arbeitet elektronisch und nicht mechanisch. Dadurch ist die Lage des Fokusbereiches sehr fein steuerbar.

Das Objektiv verfügt nicht über einen eigenen Bildstabilisator, wie z.B. das Olympus 12-100er. Aufgrund der kamerainternen Stabilisierung ist dies auch nicht nötig. Da ich ohnehin in der Landschaftsfotografie meist mit Stativ arbeite, benötige ich bei solch weiteinkligen Brennweiten keinen Stabilisator im Objektiv. Für viele Filmer interessant ist, dass sich die Lage des Fokusbereichs während des Zoomens nicht ändert (parfokal).

Die Abbildungsqualität

Bei 8 mm sind eine leichte Randabschattung und eine bei dieser Brennweite normale, jedoch vergleichsweise geringe Verzeichnung auszumachen. Beides deutlich geringer als bei manch hochpreisiger Festbrennweite.

Zur Beurteilung der Schärfe in den Ecken und der Bildmitte eignet sich die berühmte Ziegelwand, da hier die Ecken und die Mitte der Wand in einer Schärfeebene liegen und man dann bei Vergrößerung die Schärfe besser beurteilen kann als bei „echten“ Aufnahmen. Denn hier können die Ecken je nach verwendeter Blende teilweise nicht im Fokusbereich liegen, wenn man auf die Mitte einer Szene fokussiert. Hier beispielhaft einige Fotos jeweils bei 8mm bei verschiedenen Blenden. Jeweils aus der Mitte und die aus der linken obere Ecke.
Wie bei allen MFT Linsen zeigt sich auch hier bei Blende 16 ein deutlicher Schärfeabfall aufgrund der Diffraktion (Beugung des Lichts an der sehr kleinen Blendenöffnung). Dies ist jedoch durch den recht kleinen Sensor systembedingtbedingt und ist kein negatives Merkmal des Objektivs.

Bei Offenblende 2.8 ist ein sichtbarer Abfall der Schärfe von der Mitte zu den Rändern erkennbar. Für mich nicht so tragisch, da ich die Blende 2.8 fast nicht nutze. Für die Sternenfotografie ist die Blende fast noch zu klein, zumindest am MFT System.
Man kann natürlich den nächtlichen Sternenhimmel mit der Linse ablichten. Für solche Spezialanwendungen würde sich sicher ein angekündigtes Olmypus 12mm 1.2 besser eignen :-). Ab Blende 5.6 relativiert sich der Schärfeabfall zum Rand.

Auch die bei diesem großen Bildwinkel leicht zum Rand abfallende Helligkeit ist sichtbar, aber recht gering. Hin und wieder sind bei Aufnahmen gegen die Sonnen unschöne farbige Reflexe sichtbar, die man meist durch kleine Änderungen des Aufnahmewinkels eliminieren kann. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass sich die Frontlinse bei kleineren Brennweiten einige Zentimeter weiter in den Tubus zurückzieht, wodurch die Anfälligkeit gegenüber Reflexen bei sehr kleinen Brennweiten nochmals reduziert wird.

Alle Bilder zeigen eine 100% Ansicht. Diese sollte man beim Beurteilen berücksichtigen. So ist die Blende 2.8 natürlich nutzbar und lediglich in der 1:1 Ansicht macht sich der Abflall der Schärfe in Form eines Auflösungsverlustes bemerkbar. Inwieweit das praxisrelavant ist, überlasse ich gern dem Leser dieses Artikels…

Verschiedene Fotos in der Normalansicht. Alle Fotos sind im RAW Format aufgenommen und nur in Lightroom bearbeitet.

Fazit

Für mich ist dieser Brennweitenbereich ein absolutes “Must have”. Gerade das kamerabedingte Aufnahmeformat von 4:3 lässt Aufnahmen bei 8mm im Hochformat sehr interessant werden. Die normale Filternutzung und die Tatsache, dass auch bei zwei Filtern keine Vignettierung bei 8mm sichtbar ist und nict zuletzt das geringere Gewicht sind für mich ein Vorteil des Panasonic Leica 2.8-4 8-18mm gegenüber dem Olympus 7-14 2.8 Pro. Hinsichtlich der Abbildungsleistung konnte ich kaum Unterschiede ausmachen.

In Sachen Sonnenstern muss man, wie bei fast allesn Linsen im MFT Kosmos Abstriche machen. Den bekommt man zwar durch entsprechendes Abblenden hin, jedoch ist dies nicht die Paradedisziplin der kleineren Sensoren, vergleicht man die Abbildung des Sonnenstern mit denen größerer Sensoren.

5 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo Helmut,
    nachdem ich nun mehrere Deiner sehr anschaulichen Blogbeiträge durchgelesen habe, und schon von Deiner Sicht zur “Glaubensfrage” DSLR oder DSLM über Deinen Wechsel von der EOS 5D III zur OM-D E-M1 II las, finde ich so wie Mike aus Südtirol kommentierte, hier ebenfalls wie meine Wünsche und meinen Weg im fotografischen Equipment geschildert. Nehmen wir nur das biaxial dreh- und schwenkbare Display … da waren Samsung und Olympus schon seit Jahren innovativ, z.B. mit der NX-20 und der E-330 noch für FourThirds. Das Kernstück meiner DSLR-Ära bildete die Nikon D700, und es gab oder gibt auch weiterhin Objektive wie z.B. das Irix 4/11mm Blackstone, wo ich dann doch wieder einen Moment über DSLRs nachdenke. Wenn ich dann aber an die Möglichkeiten einer OMD E-M1X und derer tolle Funktionalität und Ergonomie denke, dann war der Weg zu MFT oder eben zur spiegellosen DSLM nicht verkehrt. So begeistern auch mich Kameras wie die Pen-F oder die X-Pro 1 oder 2, so als gäbe es eine digitale Contax IIIa. MFT bietet eben auch die doppelte Auswahl, von der Lumix G1 über die GX7 und G6 bis zur GH5 ist für jede Hand und jedes Auge was dabei. Und ginge man von den Sensorformaten aus, hat auch da Fujifilm mit der GFX-Baureihe gezeigt, wie toll spiegelloses digitales Mittelformat sein kann ! Nun aber zurück zu City-Skylines und Naturpanoramen : Das Vario-Elmarit 8-18 gefällt mir nämlich auch aufgrund seiner separaten und abnehmbaren Gegenlichtblende, wie auch das Voigtländer Nokton 0.95/10,5mm, das ich als lichtstärkstes Weitwinkel auch von seiner Bauform her faszinierend finde. Die beiden 1.8 Zuikos mit 45mm und 25mm sowie das 12-100 IS ED Pro versorgen auch bei mir den mittleren Brennweitenbereich, und Überlegungen zum Tele (als da wären Zuiko 300 Pro oder das Vario-Elmar 100-400) sind bei mir aber zurückgestellt, da muß das Tokina Reflex 6.3/300mm einspringen. Dank des Olympus BCL-Fisheye 9mm Body Cap Lens wäre das lichtstarke Nokton mit 10,5mm Brennweite für mich auch eine Alternative, zumal ich noch das Sigma Art DC DN 1.4/16 sowie die beiden Kitzooms hätte. Dann wäre eben der Weitwinkelbereich von Festbrennweiten dominiert, wobei noch das Kowa Prominar 2.8/8,5mm überlegenswert wäre.
    Im Falle eines Zooms in dieser Preiskategorie käme ich aber auch zum Vario-Elmarit 2.8-4/8-18mm ! Letztlich macht es nicht das Equipment, ob so wunderbar schöne Aufnahmen wie Deine hier gelingen.
    Viele Grüße und ein schönes Wochenende
    Erhard

    Antworten
  • Sehr schöne Bildkompositionen – wirklich stark! Habe auch vor mir dieses Objektiv zu kaufen. Möchte auch gerne viel mit ND Filter arbeiten. Hatte mal von unschönen Reflexionen der Objektivaufschrift an der Innenseite von Filtern gehört (Lumix Label war auf Bildern sichtbar) – kannst du das bestätigen???
    Würde mich auf Antwort sehr freuen.
    Gruß,
    Dirk

    Antworten
  • Avatar
    Ratomir dr. Radomirovic
    10. Dezember 2018 18:49

    tolle Bilder.
    Gruß

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü