Olympus 25 mm 1.2 Pro im Praxistest

Olympus-25-mm-1.2

Das Olympus 25 mm 1.2 PRO in der Praxis

Olympus bietet in der Pro-Serie aktuell drei Festbrennweiten mit einer Offenblende von f 1.2.
Dazu zählen die Objektive mit den Brennweiten 17 mm, 25 mm und 45 mm. Für diesen Bericht habe ich mir das 25 mm 1.2 genauer angesehen.
Ich habe das Objektiv im Rahmen der “Test & Wow” Aktionen von Olympus für drei Tage zum Testen an der E-M1 II genutzt.

M.Zuiko Digital ED 25mm F1.2 PRO

Die Fakten:

  • Gewicht: 410 g
  • Länge: 87 mm (ohne Sonnenblende)
  • Durchmesser: 70 mm
  • Filterdurchmesser: 62 mm
  • 19 Elemente in 14 Gruppen
  • Blenden aus 9 Lamellen
  • Minimale Aufnahmeentfernung: 0,3 m
  • wasser- und staubdicht

Der innere Tubus, ein Ring zwischen hinterem Tubus und Zoomring und die Filteraufnahme sind aus Kunststoff, alle andere aus Metall. Auch diese Linse verfügt über den aus der Pro-Serie bekannten Fokusring, der ein schnelles Umschalten in den manuellen Fokus erlaubt. Zusätzlich ist auch eine programmierbare Taste (L-FN) am Objektiv vorhanden, die sich mit verschiedenen Funktionen belegen lässt.

Die Tücken der großen Offenblende

Einer der häufigsten “Vorwürfe” gegen das MFT-Format ist die fehlende Freistellung gegenüber einer Ausrüstung mit einem Sensor im Kleinbildformat. Dabei wird jedoch oft vergessen, dass eine extrem kleine Schärfentiefe allein kein gutes Foto ausmacht und das Thema Freistellung gerade in der Portraifotografie teilweise meines Erachtens einfach zu dominant ist.

Umgerechnet haben wir es hier mit einer klassischen “Normalbrennweite” von 50 mm zu tun. Ich nutze diese Brennweite auch gern für meine Familienreportagen mit Kindern (www.familienfotos-kruse.de), wenn man eben nicht nur das Gesicht formatfüllend abbilden möchte, sondern eine Situation darstellen will, die mehr Bildinhalt hat. Zudem bietet nicht jede Wohnung den Platz, um mit 100 mm oder 85 mm zu agieren.

Kinderfotos mit 50 mm Brennweite
KInderfotos mit 50 mm Brennweite

 

Der MFT Sensor benötigt aufgrund der deutlich größeren Pixeldichte eine kürzere Verschlusszeit für pixelscharfe Aufnahmen als ein Kleinbildsensor mit der gleichen Auflösung. Wenn man in Innenräumen nur das natürliche Licht nutzen will, bleibt nur, die ISO Empfindlichkeit entsprechend zu erhöhen. Doch genau das ist nicht unbedingt die Spezialdisziplin des kleinen Sensors. Werden großformatige Ausbelichtungen gewünscht, muss man bei IOS 6400 schon einiges an Nachbearbeitung aufbieten.

Doch da kommt die Blende 1.2 ins Spiel. Bei einem Aufnahmeabstand von 1,2 m beträgt die Schärfentiefe bei Blende 1.2 an einem MFT Sensor ca. 8 cm.
Das ist nicht wirklich viel und kann durchaus für Frust sorgen. Denn wie Eingangs erwähnt, ist es nicht immer wünschenswert das nur ein kleiner Teil der Szenerie in der Schärfeebene liegt. Blendet man auf 1.8 ab, so steigt die Schärfentiefe auf ca. 12 cm.

Der Autofokus ist bedingt durch die Blende f 1.2 extrem schnell. Die Fokussierung von unendlich auf den Nahbereich dauert weniger als eine Sekunde.
Möchte man z.B. Kinder beim Spielen fotografieren, so ist eine schnelle und zuverlässige Augenerkennung bestenfalls in Kombination mit einem Tracking sehr hilfreich. Beides bietet die E-M1 II nicht, das kann der Nachfolger die MK III deutlich besser, wie ich in einem Vergleich der beider Kameras
in dem Artikel “Olympus E-M1 III im Vergleich zur E-M1 II” bereits festgestellt habe.

Man muss also recht genau wissen, was man erreichen möchte und verschiedene Aufnahmeabstände testen, um die Vorteile der großen Blendenöffnung nutzen zu können. Im Innenbereich wäre dann noch das 17 mm 1.2 zu nennen, das einer klassischen Reportagenbrennweite von 35 mm entspricht.

Die Abbildungsqualität des Olympus 25 mm 1.2 PRO

Wie schon bei den anderen Objektiven aus der Pro-Serie sind beim 25 mm 1.2. an den Rändern auch bei Offenblende kaum Verluste hinsichtlich der Schärfe sichtbar. Sicher wird es messbare Unterschiede geben. Ich verzichte jedoch auf das Abfotografieren von Testcharts, da ich keine reproduzierbaren Laborbedingungen schaffen kann, die für aussagekräftige Interpretationen von Testcharts unverzichtbar sind. Beispielsweise kann ich keine zu 100% plane Ausrichtung der Kamera zum Ausdruck einer Testgrafik gewährleisten. Bei einer sehr geringen Schärfentiefe wäre es dann nicht sinnvoll die Schärfe in den Bildecken zu beurteilen, wenn die Aufnahmeebene nicht exakt ausgerichtet ist.

Die Schärfe ist schon bei Offenblende 1.2 durchaus beeindruckend. Ab f 2.0 erkenne ich auch an den Rändern keinen Schärfeverlust mehr.
Bei Nutzung der Blende 1.2 sieht man jedoch eine deutliche Randabschattung (Rändern sind dunkler als die Bildmitte). Dieser Effekt verschwindet bei f 2.8.
Da Olympus mit 19 Elementen in 14 Gruppen und zahlreichen speziellen Vergütungen in Sachen Optik einiges aufbietet, ist es nicht verwunderlich, dass die gefürchteten Farbsäume an kontrastreichen Kanten – wenn überhaupt – dann nur in den Ecken und bei weit geöffneter Blende sichtbar sind.

Farbsäume in den Bildecken
Farbsäume in den Bildecken an den Ästen oben links

 

Die Verzeichnung hingegen ist sehr gut korrigiert und fällt eigentlich nicht auf. Dieser geometrische Abbildungsfehler, bei dem gerade Linien gekrümmt wiedergegeben werden, ist bei den 25 mm Objektiven von Panasonic (15 mm 1.4 und 25 mm 1.7) deutlich ausgeprägter.

Ich habe noch ein paar Vergleichsaufnahmen eines Geldscheins gemacht um zu sehen, wie sich das 12-100 4.0 Pro gegen eine Festbrennweite schlägt.
Diese Objektive habe ich hier schon einmal vorgestellt. Das Ergebnis bestärkt meinen positiven Eindruck zum 12-100 mm, da es dem 25 mm f 1.2 fast in nichts nachsteht. Verglichen habe ich beide bei der jeweiligen Offenblende bei f 4.0 und f 5.6 und natürlich bei der Brennweite von 25 mm. Natürlich kann man jetzt einwenden, dass die Festbrennweite bei f 4.0 schon mehr als zwei Blendenstufen abgeblendet ist und das 12-100 bei f 4.0 nicht die höchste Auflösung bietet. Es bestätigt trotzdem, dass das Objektiv mit einem derart großen Zoombereich mit Festbrennweiten mithalten kann. Allenfalls der Farbkontrast ist bei der Festbrennweite minimal höher, das Bild wird ein wenig knackiger. Das sind jedoch Unterschiede, die ein anderer Betrachter genau andersherum empfinden könnte.

Der Verlauf der Unschärfe ist sehr weich und angenehm. Besonders gut gelingt-  dank der Blende, die aus neun Lamellen aufgebaut ist- die Abbildung eines Sonnensterns fast perfekt.

Sonnenstern
Sonnenstern bei f11

Das Handling

Hier gibt es nicht zu bemängeln. Die Verarbeitungsqualität ist top, auch wenn nicht alles aus Metall gefertigt ist. Der Zoomring läuft butterweich und lässt sich mit einem satten Geräusch für die manuelle Fokussierung verschieben. Wie auch die anderen Objektive dieser Serie ist die haptische Qualität sehr hoch, was man angesichts des Preises auch erwarten darf. Immerhin liegt der Neupreis bei ca.1000 EUR (z.B. bei Calumet).

Das Arbeiten mit einer Festbrennweite braucht etwas Übung und ist auch nicht immer die beste Wahl, da man nicht immer den Aufnahmestandort frei wählen kann bzw. manchmal keine Möglichkeit hat sich ein wenig nach vorn zu bewegen und den Bildausschnitt zu bestimmen. Dies gilt jedoch für alle Festbrennweiten.

Beispielfotos mit dem Olympus 25 mm 1.2 PRO

Es folgen einige Beispielbilder mit unterschiedlichen Blendeneinstellungen.

Fazit

Das Olympus 25 mm 1.2 hat mich in den meisten Belangen überzeugt. Den Preis würde ich nicht unbedingt als Nachteil sehen, da die Preise bei anderen Herstellern bei einer derartigen optischen Qualität meist deutlich höher sind. Die Farbsäume in den Bildecken bei Offenblende und die deutliche Randabschattung bei f 1.2 lassen sich einfach korrigieren und ist daher Meckern auf hohem Niveau.

Ich finde die Linse keineswegs zu schwer. Die Kombination mit der E-M1.2 oder E-M1.3 liegt sehr ausgewogen in der Hand. Mit leichten MFT Bodys könnte die Kombi dann ein wenig kopflastig werden. Da das Objektiv nicht sehr lang ist, sollte das kein gravierender Nachteil sein.

Wer den Preis von knapp 1000 EUR scheut, der kann durchaus einen Blick auf den Gebrauchtmarkt werfen. Dort sind Exemplare in gutem Zustand um die 650 EUR erhältlich.

  • Kaum Verzeichnung
  • Hohe Schärfe auch bei Ofenblende
  • sehr schneller Autofokus
  • Staub- und Spritzwassergeschützt
  • geringe Naheinstellgrenze
  • sehr schön ausgeprägter Sonnenstern
  • kaum sichtbare Lensflares bei Gegenlicht
  • tolles Bokeh dank der Blende aus 9 Lamellen

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