Olympus E-M1 III im Vergleich zur E-M1 II

Lohnt sich ein Upgrade auf die Olympus E-M1 III?

Ich wollte diesen Artikel schon viel eher schreiben, aber wie das eben manchmal so ist, kommt immer irgend etwas dazwischen.
Das Thema „Olympus und Verkauf der Kamerasparte“ möchte ich hier bewusst ausklammern, da ich weder im Vorstand von Olympus noch von JIP bin und daher lediglich genauso orakeln könnte, wie die Kollegen in den zuhauf veröffentlichten Videos zu diesem Thema.

Ich habe die E-M1 III im Rahmen der „Test & Wow“ Aktion von Olympus für ca. zwei Tage zum Testen gehabt. Leider viel zu kurz, da auch in diesen Tagen noch einige anderen Dinge zu erledigen waren. Die wichtigsten Unterschiede und natürlich das „Neue“ habe ich mir natürlich näher angesehen.

Es geht mir hier darum, meinen Eindruck im Vergleich zur E-M1 II zu schildern, die ich seit 2017 im Einsatz habe. Ich verzichte wie immer auf Testcharts und ISO Vergleichsbilder, da diese auf den einschlägigen Webseiten leicht abrufbar sind und für mich auch technisch nicht leistbar sind.

Was kann die E-M1 III?

Nach ungefähr vier Jahren bringt Olympus nun ein Upgrade des Erfolgsmodells E-M1 II und positioniert es unterhalb des Flaggschiffs, der E-M1 X.
Doch wo genau liegen die Unterschiede zum „alten“ Modell und welche neuen Funktionen gibt es? Genau darum geht es in diesem Artikel.

Olympus finanziert weder meine Ausrüstung noch wird Einfluss auf meine Artikel genommen.

Was ist anders?

Ein Auflisten der technischen Daten möchte ich mir ersparen. Interessierte finden auf der Olympus Website eine vollständige Übersicht: Zu den Specs:
Die folgende Liste dient als Übersicht, was sich im Vergleich zum Vorgängermodell geändert hat bzw. welche Funktionen, die teilweise aus der E-M1X stammen, dazu gekommen sind.

Tastenlayout:

  • ISO Button (an der MK II mit FN1 beschriftet)
  • Button zur Belichtungskorrektur
  • Joystick zum Verschieben des Fokusfeldes
  • Zusätzlicher Modus „B“ am Programmwahlrad
  • An die Stelle des Menübuttons tritt der Info-Button, die Menü Taste wandert nach links neben den EVF
  • Ein zusätzlicher Custom Mode verfügbar (C4)

Neue Funktionen:

  • Einfache Version des Super-Control Panels
  • Gleicher Sensor wie die E-M1 X
  • Neuer TruePic IX image processor
  • Live ND Filter
  • Handheld Highres (mit 16 Bildern statt 8 vom Stativ)
  • Starry Sky AF
  • Verschluß ist auch 400.000 ausgelegt (E-M1 II 200.000)
  • Verbesserte Supersonic Wave Filter zur Reduzierung von Staub
  • Custom AF Felder
  • Verbesserte Gesichterkennung
  • Verbesserte Stabilisierung (7 EV zu 5.5 EV)
  • Video: 120 fps  in FHD ( vorher 60 fps)
  • Mehr AF Modi (5*5 und 3*3)
  • Einstellbarer IS Level (von -1 bis +1)
  • Laden per USB C Kabel

Über einige dieser Features möchte ich berichten ohne jedoch alle erwähnen zu wollen. So konnte ich leider den „Sternenhimmel-AF“ zwecks dichter Wolken in der Nacht nicht testen. Ebenso habe ich keine Aufnahmen mit dem Live ND Filter gemacht, da ich immer analoge Filter im Kamerarucksack habe und dieses Feature bisher nicht vermisst habe.

Handheld HighRes Modus

Den HighRes Modus vom Stativ gibt es auch in der E-M1 II. Aus der Hand ist dieser nicht nutzbar, da der Vorgang einfach zu lange dauert. Spannend ist da der Handheld HighRes Modus. Hier werden 16 Fotos in kürzester Zeit erstellt und zu einem 50 MP Foto verrechnet. Nutzbar ist der Modus bis maximal Blende 8 und ISO 6400, was bei dem kleinen Sensor auch oft für eine passable Schärfenausdehnung reicht, zumindest im Weitwinkelbereich. Nachteilig kann es sein, wenn sich durch Wind z.B. Äste oder Gräser bewegen. Dies wird dann als leichte Unschärfe wahrgenommen. Vergleicht man zwei Fotos in der 1:1 Ansicht, so ist es logisch, das im höher aufgelösten Foto stärker „hereingezoomt“ werden kann. Ein Gewinn an Details ist auch sichtbar. Dazu bedarf es jedoch hochwertiger Objektive wie die aus der Olympus Pro-Serie. Das ist jedoch bei allen Kameras mit nativ sehr hoher Auflösung bzw. hochgerechneten Aufnahmen der Fall.

Für Architekturaufnahmen ist jedoch nicht nur der Gewinn an Details durch die höhere Anzahl an Pixeln interessant. Man bekommt so auch deutlich mehr Spielraum bei der Korrektur der stürzenden Linien in der Nachbearbeitung, da dann ein Bildausschnitt immer noch für große Ausdrucke taugt.

Sehr angenehm ist auch der Zugewinn in Sachen Rauschverhalten. Man gewinnt durch das Zusammenrechnen der Fotos in der Kamera ca. 2 Blendenstufen, was sich in einem deutlich verminderten Bildrauschen bei höheren IOS Werten bemerkbar macht. Zudem ist auch ein deutlich höherer Dynmikumfang von ebenfalls ca. 2 Blendenstufen erkennbar. So lassen sich z.B. die Schatten deutlich weiter aufhellen als in einem Einzelbild. Das gilt natürlich genauso für den „Stativmodus“

Das Belegtbild wurde mit ISO 400, f8 und 1/10 sec. freihand bei 86 mm Brennweite aufgenommen, eine ansehnlich lange Verschlusszeit. Um das ganze überhaupt berechnen zu können bedarf es natürlich deutlich mehr Rechenpower als in der E-M1 II. Da kommt dann der neu entwickelte TruePic IX image processor ins Spiel. Bei der E-M1 X werkeln noch zwei TruePic IIX image Prozessoren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verändertes Button Layout

Das erste was mich an der E-M1 II wirklich verwunderte, war ein fehlender ISO Button und einer zur Belichtungskorrektur. Das mag Gewohnheit sein, störte mich aber von Anfang an, da ich ein Freund klar definierter Schaltflächen bin, zumindest was die Grundfunktionen der Kameraeinstellungen angeht.

Der Joystick wird vor allem die Fotografen von schnell bewegten Motiven freuen, da man nun auch bei der Olympus den Fokusbereich zielgerichtet und schnell verschieben kann, ohne den Finger vom Auslöser zu nehmen. Sehr löblich finde ich auch, dass nun der Bulb Modus in das Moduswahlrad integriert wurde. Das erspart einem beim Nutzen der Live-Time/Composite Funktion das umständlich entlanghangeln der Belichtungszeiten.

My Menü und weitere Details im „Menü“

Schmerzlich vermisst habe ich bisher auch die Möglichkeit oft genutzte Funktionen aus den Tiefen des Menüs in einen eigenen Menüpunkt zusammenfassen zu können. Hier hatte Olympus nun ein Einsehen und führt dieses Feature mit dem My Menüs nun auch in der E-M1 III ein.
Die Intervallaufnahmen sind nun auch in der Menüstruktur an einen sinnvollen Platz gewandert.  Endlich sind jetzt auch bei der kamerainternen Berechnung eines Timelaps Videos in der UHD Auflösung 30 fps möglich. Ferner gibt es ein abgespecktes Super Control Panel (SCP), welches nur die relevantesten Funktionen darstellt. Das komplette SCP gibt es nach wie vor auch noch.

Alles in allem finde ich die Anpassungen hinsichtlich des Layouts und des Menüs sehr gut gelungen.

AF-Funktionen

Die weitere Konfigurierbarkeit des AF im Verfolgungsmodus bleibt weiterhin der E-M1 X vorbehalten. Neu hinzugekommen ist aber die Möglichkeit, sich einen Fokusbereich selbst zu definieren. Man bestimmt einfach die Anzahl und Lage der Fokuspunkte und hat so neben den vorgegebenen (und ebenfalls erweiterten) Mustern eine Einstellung, um den AF den eigenen Gewohnheiten anzupassen. Auf einen „Tier“ AF, wie es z.B. die brandneue Canon EOS 5R bietet, haben die Olmypus Anhänger jedoch vergeblich gewartet. Immerhin gab es im letzten Jahr ein Systemupdate bei der E-M1 II, die die Performance des AFs noch einmal deutlich gesteigert hat.

Die Gesichtserkennung funktioniert nun deutlich besser als an der E-M1 II. Auch wenn sich die Person kurz wegdreht wird das Gesicht bzw. das bevorzugte Auge sehr schnell wieder erfasst und fokussiert. Das Gesicht muss auch einen deutlich kleineren Bereich des Suchers ausfüllen, damit der AF anspringt.
Die Funktion ist nun schneller und auch treffsicherer.

 

Für die Videofilmer und Vlogger

Auch in diesem immer wichtiger werdenden Segment hat die E-M1 III zugelegt. In der FHD Auflösung können nun 120/s genutzt werden.
Zudem ist es nun endlich auch im manuellen Modus möglich die Funktion AUTO ISO zu nutzen. Beim Vorgänger geht dies nur in den Programmautomatiken (P,S, A). Auch können im Video Modus nun zusätzlich 25 oder 9 Felder zum Fokussieren genutzt werden.

Interessant ist auch die Möglichkeit, die Empfindlichkeit des Stabilisators an die Bewegung anzupassen. Das gibt es nicht mal in der EM-1X.

Insgesamt macht die „Neue“ in Sachen Video eine gute Figur.

Einstellungen zum IS

 

Nicht zu vergessen

Die Anzahl der Auslösungen wird beim neuen Modell mit nun 400.000 Auslösungen anstatt 200.00 angegeben. Das heißt nicht, das man nach dieser Schwelle keine Fotos mehr mit dem mechanischen Verschluss machen könnte, es ist lediglich eine Richtgröße und zeigt, dass sich an der Mechanik etwas geändert hat. Der Verschluß kann nun theoretisch bis zu 6h geöffnet bleiben, doppelt so lange wie noch bei der E-M1 II.

Das bereits seit Jahren bekannte und sehr gut funktionierende Staubschutzsystem (Supersonic Wave Filter) für den Sensor wurde noch einmal verbessert. Laut Olympus sei die Wahrscheinlichkeit für eine Verschmutzung des Sensors nur noch 1/10 mal so groß wie bei der E-M1 II.

Fazit

Die genannten Verbesserungen sind sicher wirklich sinnvoll. Besonders das Layout der Knöpfe bzw. deren Bezeichnungen und die minimalen Änderungen im Menü erleichtern einfach die Arbeit. Möchte jemand kein Stativ nutzen oder es aus Gewichtsgründen nicht mitnehmen, so sind Dank der Live ND Filter trotzdem Aufnahmen mit weichgezeichnetem Wasser möglich. In die gleiche Richtung zielt der Handheld HighRes Modus.

Für Astrofotografen ist der „Sternen AF“ eine deutliche Erleichterung, kann doch das Fokussieren im Dunkeln sehr anspruchsvoll sein.

Ich persönlich hätte mir einen deutlich höher auflösenden Sucher/Display gewünscht. Gerade wenn man bei wenig Licht eine Vergrößerung im Sucher einstellt, um den Schärfeverlauf zu kontrollieren wäre ein „Mehr“ an Auflösung eine große Hilfe. Da ich gern mit Mehrfachbelichtungen arbeite wäre auch hier das Anfertigen von mehr als zwei Belichtungen schön gewesen. Möchte man mehr als zwei Bilder kombinieren ist dies nur umständlich möglich. Das es deutlich einfacher geht zeigt z.B. Canon. Hingegen brauche ich keine höhere Auflösung, da mit 20 Mpx der kleine Sensor Vollends ausgelastet ist. Insgesamt liegt auch die reine Bildqualität auf gleichem Niveau. Mag sein, dass man der E-M1 III im Labor einen etwas größeren Dynamikbereich bescheinigen kann, in der Praxis konnte ich jedoch kaum Unterschiede feststellen. Der Sensor ist der aus der E-M1 X und hat evtl. ca 1/3 Blendestufe Vorteile in Sachen Rauschverhalten.

Wer also die genannten Funktionen benötigt, für den ist ein Upgrade sicher sinnvoll. Wer eine MFT Kamera neu kauft, dem rate ich deutlich zur E-M1 III, auch wenn der Preis der „Alten“ weiter sinken wird.

4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Wolfhard Austen
    8. August 2020 19:47

    Beim „altbekannten Spiel“ kommt halt der Ausstieg von Olympus aus der Kamerasparte hinzu. Offensichtlich ist es im Moment so, das alles getan wird um die E-M1X aus den Regalen zu bekommen. Zuletzt die Reduzierung des Kaufpreises von rund 3.000,00 € auf rund 2.000,00 €. Im gleichen Atemzug erhöhten viele Händler die Preise für die E-M1 III. Das „haben wollen“-Gefühl wird jedenfalls bei mir davon zunichte gemacht.

    Antworten
    • Tja, das bleibt letztlich jedem selbst überlassen. Was genau wann passiert ist einfach reine Spekulation.
      Ich sehe das Ganze eher wenig emotional. Ich habe ein gutes Werkzeug und gute Objektive und auch kein „Haben Wollen“-Gefühl mehr, was den Kameramarkt angeht 🙂

      Schöne Grüße,

      Helmut

      Antworten
  • Brauchen? Nein! Haben wollen? Tja …

    Danke!

    Antworten

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