Mein Verlaufsfilter zeigt keine Wirkung?!

Blendenvorwahl mit Filter

Viele Fotografen nutzen noch Grauverlaufsfilter. Ich zähle mich auch dazu. Andere Kollegen setzten eher auf Belichtungsreihen und das Verrechnen der unterschiedlichen Belichtungen in der Bildbearbeitung. Doch hier soll es nicht grundsätzlich über den Sinn oder Unsinn von Verlaufsfilter im Zuge der Bildbearbeitung gehen sondern darum, was bei der Nutzung von Verlaufsfiltern zu beachten ist.

In vielen Workshops habe ich bemerkt, dass viele Fotografen mit Verlaufsfilter die Halbautomatik (AV, A, Blendenvorwahl) nutzen. Warum das nicht den gewünschten Effekt bringt, lest Ihr in diesem kurzen Artikel.

Warum überhaupt einen Verlaufsfilter?

Auch bei den modernen Sensoren gib es Situationen, die den Dynamikumfang der Kamera übersteigen. Dann ist es mit einem Bild ohne Hilfsmittel nicht möglich, die hellsten und dunkelsten Stellen korrekt belichtet zu erfassen. Entweder sind die hellsten Stellen ausgebrannt, oder die dunklen Stellen zeigen keinerlei Zeichnung mehr und sind einfach nur schwarz.

Der klassische Fall ist ein Himmel mit weißen Wolken und ein eher dunkler Vordergrund. Belichtet man auf den Vordergrund, so ist der Himmel ausgebrannt. Und genau da kommen die Verlaufsfilter ins Spiel. Die Filter werden mittels eines Filterhalters vor das Objektiv geschoben. Der dunkle Bereich des Filters deckt dabei den Himmel ab. Die Position des Filters kann je nach Lage des Horizonts verschoben bzw. im Halter auch gedreht werden. So bleibt man sehr flexibel. Die Verlaufsfilter gibt es in unterschiedlichen Stärken und Verläufen. Die Verläufe der des durchsichtigen Bereichs zum getönten Bereich können von hart bis weich variieren. Am Meer nutzt man gern harte Verläufe, da der Horizont meist exakt definiert ist.

Der Verlaufsfilter zeigt keine Wirkung?

Vielfach wird in der Landschaftsfotografie die Zeitautomatik an der Kamera eingestellt. Der Fotograf gibt die Blende vor, die Kamera ermittelt die passende Verschlußzeit. Doch was passiert dann bei der Filternutzung?
Zur Demonstration habe ich einen HAIDA 0.9 GND Verlaufsfilter benutzt. Im Bild links sieht man, dass ich manuell ein wenig überbelichtet habe, das Histogramm ist nach rechts verschoben. Diese Überbelichtung soll ja schließlich der Filter korrigieren. Schiebe ich nun den Filter einfach ein, passiert folgendes: Die Kamera korrigiert den durch den Filter abgedunkelten Bereich und verlängert die Belichtungszeit (Hier von 1/200sec auf 1/125 sec.). Das Histogramm bleibt aber weiterhin zu weit rechts. Den Filter hätte man sich mit dieser Methode also sparen können, da er nicht seine volle Wirkung entfalten kann, da die Automatik einen großen Teil der Wirkung kompensiert.

Übernehme ich jedoch die Ausgangswerte der Belichtung (Blende 6.3 1/200 sec)  in den manuellen Modus (leicht Überbelichtung, sodass die Schatten Zeichnung haben) und schiebe dann den Filter vor die Linse, bleibt logischerweise die Belichtung gleich, jedoch verschiebt sich das Histogramm nach rechts und der gewünschte Effekt stellt sich ein. Natürlich kann man auch direkt im manuellen Modus fotografieren und sich den „Umweg“ sparen.

Blendenvorwahl ohne Filter

Blendenvorwahl ohne Filter

Blendenvorwahl mit Filter

Blendenvorwahl mit Filter

Manueller Modus mit Filter

Manueller Modus mit Filter

4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Wolfhard Austen
    3. März 2020 19:41

    Hallo Herr Kruse,
    Danke für Ihre Antwort.
    Wenn ich Sie richtig verstehe, haben Sie die Bilder im manuellen Modus mit dem Grauverlaufsfilter HAIDA 0.9 GND aufgenommen. Genau die Stärke kommt bei mir auch zum Einsatz, nur als Aufschraubfilter.
    Mit dem Einsatz eines Verlaufsfilters möchte ich erreichen, dass bei einer Landschaftsaufnahme der zu helle Himmel abgedunkelt wird und die Landschaft unverändert richtig belichtet wird.

    Damit meine Vorgehensweise nachvollziehbar ist, nachfolgend drei Links.

    Bild 1, ohne Filter: [Link deleted]
    Ergebnis: Die Landschaft ist richtig belichtet. Der Himmel ist helle als man ihn mit dem Auge wahrgenommen hat.

    Bild 2, mit Filter und unveränderter Einstellung von Blende, Zeit und ISO: [Link deleted]
    Ergebnis: Der Himmel ist deutlich dunkler, dunkler als bei der Wahrnehmung mit dem Auge. Die Landschaft wird dunkler als im Bild 1 aufgenommen, weil auch der ungefärbte Teil des Filters etwas weniger Licht durchlässt.

    Bild 3, mit Filter und Änderung der Belichtungseinstellung um + 0,7: [Link deleted]
    Ergebnis: Die Landschaft ist wie im Bild 1 belichtet, bis auf den rechten Bereich, der von einer aufziehenden Wolke abgedunkelt wurde. Der Himmel ist heller als im Bild 2 aber immer noch dunkler als im Bild 1, aber jetzt annähernd so wie er mit dem Auge wahrgenommen wurde.

    Was halten Sie von meiner Vorgehensweise?
    Gruß
    Wolfhard Austen

    Antworten
    • Hallo Herr Austen,

      am besten machen Sie es so wie ich beschrieben habe, das funktioniert. Ein Schraubfilter mit Verlauf ist nicht optimal, da man den Verlauf nicht an das Bild anpassen kann.

      Schöne Grüße,

      Helmut Kruse

      Antworten
  • Wolfhard Austen
    1. März 2020 10:09

    Hallo Herr Kruse,
    kann es sein, dass die ISO-Einstellung bei allen drei Bildern auf „Automatik“ stand?
    Dass würde erklären, warum der Filter bei Bild 2 so gut wie keine Wirkung zeigt und erst die Rücknahme der Überbelichtung von 1.7 auf 1.0 bei BILD 3 Wirkung zeigt? Dabei der Vordergrund aber auch abgedunkelt wird, was ja eigentlich nicht das Ziel sein kann.

    Antworten
    • Hallo Herr Austen,

      Nein, die ISO Einstellung war fix, bei allen drei Fotos. Der Filter hat ja bei Bild 2 eine Wirkung! Ich schieb eine dunkle „Scheibe“ vor den Sensor, die Kamera verlängert die Belichtungszeit (ohne Filter 1/200s, mit Filter 1/125s). Aber genau das will ich nicht. Die Automatik macht immer die Wirkung des Filters zu nichte, was ja auch eigentlich logisch ist, da sie versucht der „Verdunklung“ durch eine längere Belichtungszeit entgegenzuwirken.
      In Bild 1 habe ich die Blende vorgewählt und solange manuell überbelichtet, bis der Vordergrung für mich gut aussieht. Und genau mit diesen Werten möchte ich das Foto belichten. Der Himmel wäre dann aber zu hell. Schiebe ich nun den Filter davor, ermittelt der Belichtungsmesser natürlich auch noch eine Überbelichtung mit vorgeschobenem Filter, daher die Anzeige +1.0. Dies ist jedoch nur ein Anzeige, da ja bei der manuellen Belichtung alle Werte feststehen.

      Ich hoffe, das hilft soweit?

      Schöne Grüße,

      Helmut Kruse

      Antworten

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